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Die Verdeutlichung des Prozesses der Geldschöpfung an einem Beispiel

Nehmen wir an, dass bei einem privaten Treffen bei sich zuhause der Gastgeber Anton regelmäßig achtzig Leute empfängt. Zur Verköstigung bringen diese Leute alle selbst etwas mit, woraus ein großes Buffet aufgebaut wird. Da die Leute, die regelmäßig kommen, manchmal etwas mehr und manchmal etwas weniger mitbringen, beschließen Anton und die Gäste, um den Überblick behalten zu können, die Einführung eines in der Gültigkeit auf das Treffen beschränkten Papiergeldes – des Anton-Talers.

Jeder ankommende Gast gibt also seine mitgebrachten Speisen in der Küche ab und erhält dort im Gegenzug einen Anton-Taler. Bringt jemand z.B. eine besonders große, ganze Torte mit, so gibt’s gleich zwei.

Im Gegenzug kann die entsprechende Person anschließend am Buffet teilnehmen – für die Gegenleistung eines Anton-Talers. Wer immer viel mitbringt, kann sich also ein paar Anton-Taler ansammeln und diese dann verwenden, wenn er mal nichts dabei hat.

Wie heißt die lokale, auf das Treffen beschränkte Währung? Der Anton-Taler. Wer bringt diese Währung heraus? Anton und die Gäste des Treffens. Durch was ist der Wert des Anton-Talers hinterlegt? Durch die mitgebrachten Speisen der Gäste.

Soweit so gut. Stellen wir uns nun vor, auf dem Treffen ist eine Person, Mister Money, welche an dem Handel mitverdienen möchte. Angenommen, Mister Money ist im Besitz von vier Unzen Gold und möchte sein eigenes Geld herausbringen, das dann unter den Leuten verteilt werden soll. Als Gegenleistung sollen jährlich 5% Zinsen bezahlt werden. Wie könnte Mister Money vorgehen? Zuerst mal muss die bisherige, perfekt funktionierende Lösung zum Scheitern gebracht werden. Wie kann das geschehen? Zum Beispiel indem Mister Money den Anton-Taler beliebig oft kopiert (fälscht) und in Umlauf bringt. Jeder würde dann zum Treffen nur mit einem echten oder gefälschten Anton-Taler erscheinen, aber ohne mitgebrachte Speisen, das ganze System wäre am Ende.

Im Folgenden würde Mister Money anbieten, die Stabilität des Anton-Talers zu gewährleisten. Es werden nun achtzig neue Anton-Taler herausgegeben, jeweils 20 davon werden im Wert von Mister Money durch eine Unze Gold hinterlegt. Für diese Leistung verlangt er dann 5% Zinsen im Jahr.

Nun kommt es zu keiner Fälschung des neuen Anton-Talers mehr. Die Leute bringen ihre Speisen und Getränke wie immer mit, erhalten dann dafür den neuen Anton-Taler und können diesen dann am Buffet wie gewohnt einlösen. Das ganze scheint jetzt zu funktionieren. Fünf Prozent Zinsen im Jahr – das scheint nicht besonders viel zu sein für eine praktikable Lösung.

Fünfzehn Jahr später – das Treffen wurde gerade eröffnet, die Leute haben wie immer Speisen im Tausch gegen einen Anton-Taler mitgebracht.

Mister Money schließt die Bank und fordert sein verliehenes Geld samt Zinsen zurück. Durch den Zinseszinseffekt hat sich der Betrag insgesamt verdoppelt, d.h. es ist die doppelte, einstmals herausgegebene Geldmenge zurückzuzahlen. Wie soll das jedoch möglich sein? Wie soll Geld, das niemals geschaffen wurde, zurückbezahlt werden können?

Mister Money ist also weiterhin im Besitz des Goldes (es wurde ja niemals wirklich weggegeben), die verliehenen Anton-Taler werden eingesammelt, als Gegenleistung für die zu zahlenden Zinsen kassiert Mister Money nun das gesamte Buffet ein.

Da der Anton-Taler in seiner Funktion als Währung nun nicht mehr existiert, müsste er nicht mal eingesammelt werden, er könnte nach der Beschlagnahmung des Buffets noch besser einfach durch eine Währungsreform entwertet werden, so würden alle Spuren beseitigt werden und das Spiel kann von vorne beginnen.

Im Verlauf des „Spieles“ wären noch einige andere Variationen möglich:

Mister Money könnte noch eine Money Bank einführen und Konten auf Basis des Anton-Talers führen. Da selten alle gleichzeitig ihr Geld auch bar abheben würden – meistens liegt das Geld nur auf den Konten herum oder wird von einem auf ein anders Konto überwiesen – erfahrungsgemäß reichen 10% der Einlagen in Form von Bargeld aus – kann Mister Money auch die zehnfache Menge an Geld durch Buchungseinträge auf den Konten erzeugen und gegen Zinsen verleihen. Dies hätte dann eine Entwertung des Anton-Talers (Inflation) zur Folge, man würde dann zwar mehr Anton-Taler bekommen für sein mitgebrachtes Essen auf dem Treffen, jedoch hätte man für die Teilnahme am Buffet auch viel mehr Anton-Taler zu bezahlen (bis zum 10-fachen). Mister Money würde jedoch von den eingenommenen Zinsen und der riesigen ihm zur Verfügung stehenden Geldmenge profitieren.

Im weiteren Verlauf würden einige wenige aufgrund der steigenden Preise Verdacht schöpfen und ihre Anton-Taler gegen Gold umtauschen wollen. Um nicht die ganzen Goldstücke zu verlieren, würde Mister Money dann den Kurs „Gold – Anton-Taler aufweichen, d.h. für einen Anton-Taler würde man im Laufe der Zeit immer weniger an Gold bekommen.

Wenn das Spiel irgendwann mal zu Ende geht – die Verschuldung der Gäste des Treffens nimmt mehr und mehr zu, das muss sie ja auch, denn es sind ja enorme Zinszahlungen zu begleichen, ohne dass das dafür nötige Geld jemals physisch geschaffen wurde – kommt es schließlich zunächst auf einen Ansturm auf das hinterlegte und vermeintlich im Werterhalt sichere Edelmetall Gold. Dessen Preis muss nun nach unten manipuliert werden, da ein explodierender Goldpreis erst recht einen möglichen Zusammenbruch der Money Bank signalisieren würde. Dieses Signal hätte als Folge einen Ansturm auf die Banken, bei dem jeder noch schnell seine Einlagen abheben wollen würde, was aber nicht möglich wäre, den Mister Money verfügt aufgrund des Systems der Mindestreserve nur über maximal 10% der auf den Konten ausgewiesenen Gelder in bar.
 

Ein weiteres Beispiel: Fabian der Goldschmied >>

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