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Unser Wirtschaftssystem – wo liegen seine Grenzen? So beginnt der entsprechende Abschnitt in meinem Buch „Der fehlende Baustein“, welcher sich mit wirtschaftlichen Themen befasst. Weiter heißt es darin:
Eine Geburtstagsglückwunschkarte hatte einen Cent aufgeklebt. Darin stand: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag dem glücklichen Millionär. Lege die beiliegende Münze bei jährlichen 5% Zinsen 378 Jahre lang an, dann steigt der Wert mit Zins und Zinseszins in diesem Zeitraum auf eine Million Euro an!”
Man kann es nachrechnen – die Rechnung stimmt. Und doch wird wohl niemand ernsthaft daran denken, ein Konto zu eröffnen und den Cent einzuzahlen und dann 378 Jahre lang zu warten (auch wenn man dann selbst nicht mehr lebt – man könnte das Sparbuch ja vererben).
Ob die Wirtschaft gut läuft oder nicht, das hängt im Wesentlichen von deren Wachstum ab. Ein Netto-Wachstum von ca. 2 bis 3% jährlich erfüllt in etwa diese Voraussetzung. 2,5% Wachstum jährlich – und das beispielsweise für die anfangs erwähnten 378 Jahre der Glückwunschkarte – am Ende dieses Zeitraumes müsste die Wirtschaftsleistung dann um den Faktor 11.300 angewachsen sein. Mancher mag sich nun erst mal frohen Mutes den Luxus vorstellen, welche eine derartige Wirtschaftsleistung der Bevölkerung offenbaren könnte, jedoch erscheint das Ergebnis bei näherer Betrachtung als Illusion: niemand hätte Bedarf für eine solche Produktionsleistung, zudem wäre diese unmöglich, da der Planet Erde weder die Energie- noch die Rohstoffmengen bereitstellen könnte, welche eine derartige Wirtschaftsleistung benötigen würde (die endlichen Energie- und Rohstoffmengen des Planeten können kein unendliches Wachstum ermöglichen).
Zudem würde eine solche Wirtschaftsleistung aufgrund der dadurch entstehenden Umweltprobleme das Leben auf unserem Planeten schnell unmöglich machen.
Jetzt könnte man an dieser Stelle einwenden, dass die Wirtschaft ja nun nicht immer so stark wachsen würde, sie würde ja auch mal stagnieren oder sogar schrumpfen. Ja, aber in diesem Falle würde es nahezu unmöglich werden, die Staatsschulden zu tilgen – das Volk würde auf ewig zum Leibeigenen seiner Schulden werden. Es bliebe als einziger Ausweg innerhalb des Systems nur der Weg über eine hohe Inflation (wenn das Geld an Wert verliert, dann verlieren auch die Schulden an Bedeutung).
Im Jahr 2007 verzeichnete die BRD ein Wirtschaftswachstum von 2,5%. Obwohl auch die Kapitalmarktzinsen auf relativ niedrigem Niveau lagen, konnte dennoch im Haushalt kein Überschuss zur Tilgung der Schulden erzielt werden.
Das Haushaltsjahr schloss mit einem leichten Defizit. Nur um die Schulden auf konstantem Niveau halten zu können, benötigen wir also momentan neben niedrigen Zinsen jährlich in etwa 2,5% Wirtschaftswachstum – was sich aber weder mittelfristig abzeichnet, noch, wie oben dargelegt, langfristig möglich ist.
Unser Wirtschaftssystem basiert also auf der Notwendigkeit des Wachstums, genauer gesagt wesentlich auf den Lehren eines gewissen John Maynard Keynes (Süddeutsche Zeitung, „Die Rückkehr des John Maynard Keynes”, Online-Artikel vom 24. Januar 2008). Dieser lebte bis ins Jahr 1946. Auf die Grenzen seines Modells aufmerksam gemacht, antwortete dieser sinngemäß, dass das Modell vorübergehend wohl funktionieren würde, langfristig jedoch nicht, und dass dies aber nichts ausmachen würde, da wir dann ja auch alle bereits tot wären.
Die Frage ist also nicht, ob unser Wirtschaftssystem dauerhaft funktionieren wird, die Frage ist also nur, wann es seinen Dienst einstellt. Sollte dies in hundert Jahren der Fall sein, so mag mancher einwenden, dann berührt uns das heute nicht so. Aktuelle Anzeichen, so berichten viele Ökonomen, deuten jedoch darauf hin, dass die „hundert Jahre” schnell zu drei oder vier Jahren zusammenschrumpfen könnten.
So endet der genannte Abschnitt des Buches „Der fehlende Baustein“. Unser Wirtschaftssystem ist also nicht auf Dauer ausgelegt. Es funktioniert also wie eine Art „Schneeballsystem“ mit eingebautem Verfallsdatum. Doch wie funktioniert es nun im Detail? Dies soll auf den folgenden Seiten näher untersucht werden.
Als Quelle wird im Folgenden übrigens des Öfteren Ellen Hodgson Browns Buch „Der Dollar Crash” zitiert. In der Regel ist dies entsprechend gekennzeichnet. Für alle, die sich in die Thematik vertiefen wollen, ist das genannte Buch sehr zu empfehlen!
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